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Am 28. Juni 1910 gründeten laut Protokoll l0 Mann den Turnverein Kaiseraugst. Der 1. Vorstand bestand aus Hohler Emil als Präsident, Schmid Adolf als Vizepräsident, als Oberturner Richard Ernst, als Vorturner Hohler Emil und Ehrsam Ernst, als Kassier Delfosse Ernst, als Aktuar Schmid August, als Materialverwalter und Weibel Teruggia Reno.
Mitglieder: Hohler Franz, Lötscher Adolf, Delfosse Hans, Moritz Hermann, Lötscher Julius, Michel Xaver, Schmid Fritz, Moritz August, Baumgartner Karl.
Ein Mitglied der hier aufgezählten muß nachträglich eingetreten sein, welches, ist nicht zu ermitteln. Darum lassen wir diesen allen die Ehre, daß sie Gründungsmitglieder unseres noch heute bestehenden T. V. K. sind. Monatsbeitrag damals noch Fr. —.50, nach den bestehenden Verhältnissen sehr hoch. Mit dem Hinweis auf dieses Gründungsprotokoll wird bewiesen, daß unser Verein am 28. Juni 1960 50 Jahre alt ist. 50 Jahre bedeuten im Leben ein Abschnitt, eine Epoche, die immer und überall Grund gibt zu feiern, der Freude Ausdruck zu geben, daß sich etwas ein halbes Jahrhundert hindurch erhalten hat. Ist es ein Verein wie unser T. V. K. in welchem durchschnittlich Mitglieder stehen zwischen 15 und 30, teilweise auch 50 Jahren, also Leute im Entwicklungs- bis Vollreifen Alter, so müssen wir uns vor Augen halten, daß es speziell für den Vorstand keine leichte Aufgabe war, den Verein stets in Ordnung beisammen zu halten. Warum ? Ich glaube bemerken zu dürfen, daß in keiner öffentlichen gemeinsamen Institution, die aus Mitgliedern besteht, so viele und verschiedene Charaktere daheim sind, wie in einem Turnverein. 1. Burschen in den Flegel- Sturmund Drangjahren. 2. Bei den Übungen Könner und Versager. 3. Erfolgreiche, d. h. Kranzturner und Neider. 4. Fleissige, und chronische Zuschauer. Die Kategorien Hessen sich leicht ins Unendliche vermehren. Die hier aufgezählten seien nur erwähnt als Beweisstück zur Begründung des vorhin erwähnten Zustandes, einen Turnverein 50 Jahre beisammen zuhalten. Es kommt noch dazu, daß unser Verein sich auch erhalten hat, während den 2 Weltkriegen 1914—1918 und 1939—1945. Aber gerade in diesen Zeiten, obschon festlose Jahre dabei waren, haben das Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt und gestärkt.
In diesen Zeiten sehnte man sich förmlich nach gemeinsamer Tätigkeit mit seinen Kameraden im Turnverein. Beim Durchlesen der Protokolle stößt man so unvermittelt auf fröhliche, festliche und traurige, ebenso das Vereinsleben störende Vorfälle, die vermerkt sind. Bei letztrem war es manchmal der Kunst des Vorstandes oder eines fremden einflußreichen Gönners zu danken, daß der Verein immer und immer wieder durch alle Wirrnisse und Rückschläge hindurch, sich immer wieder sauber und einwandfrei gerettet hat. Wie mancher Jüngling mußte einsehen, daß die Rettung seiner eigenen vermeintlich angetasteten Ehre vor der Rettung der Ehre des Vereins weichen mußte. Aber ein Jubiläumsbericht soll ja kein Gerichtsprotokoll sein. Deshalb will ich mich bofleissen, nur die freudigen Ereignisse der letzten 50 Jahre in diesem Bericht zu würdigen. Bitte verzeiht mir den vielleicht unpassenden Vergleich. Ein Jubiläumsbericht kommt mir vor, wie eine Grabrede. Nur was der Verstorbene Gutes, Grosses, Edles getan hat zu Lebzeiten wird erwähnt. Und das ist recht so. Wo ja der Friede in der Welt sowieso stets auf wackligen Beinen steht, was wollen wir da die Zukunft mit schlechter Nachrede und nicht Vergessen können belasten. Darum hinein, mit freudiger, dankbarer Erinnerung zur Berichterstattung der 50 Jahre Bestehungsfeier des T. V. K. Vorgängig des jetzigen Turnvereins bestand schon ein solcher 20 Jahre früher. Also 1. Gründung eines Turnvereins 1890. Ich fühle mich gezwungen auch diese 1. Bewegung in unserem Dorf lobend zu erwähnen. Man stelle sich vor, in einem Bauern- und Fischerdorf, allerdings existierte damals auch schon die Cellulose-fabrik, mit 20 Mitgliedern ein Turnverein ! Das war damals ein Wagnis ! 1. Präsident war Natterer Adolf, 1. Vorturner Reimann August. Ein Reck war das einzige Gerät, das der Verein besaß. Erstellt wurde es von Reimann August. Als Oberturner ist Carl Dal-cher aus Pratteln aufgeführt. Üben konnte man nur auf dem Schulplatz, Ein geschlossenes Lokal stand nicht zur Verfügung. Deshalb ruhte der «Betrieb» während des Winters. Wie groß aber die Begeisterung im Verein gewesen sein muß, beweist die Anschaffung einer Fahne, anno 1891. Seide gemalt und geliefert von J. Rosen-thaler, Rheinfelden. Preis Fr. 140.—. Anzahlung Fr. 125.—. Die restlichen Fr. 15.— sind im Laufe des Jahres zu regulireen steht im Protokoll. Von einer öffentlichen Sammlung für die Fahne ist nichts bemerkt. Und damals war Fr. 140;— eine nette Summe. Die Fahne wurde abgeholt mit Begleitung der auch damals schon bestehenden Musikgesellschaft. Die Begeisterung muß bestimmt hohe Wellen geschlagen haben damals, obschon nicht viel zu ersehen ist aus dem Protokoll. Aber zu jener Zeit waren Feste noch sehr dünn gesät, also feierte man, wenn Gelegenheit dazu war.
Schon 1891 ging der Verein forsch ins Zeug. Er beteiligte sich mit 22 Mann an einem Unteraarg. Turnfest in Zurzach. Im ganzen turnten 7 Sektionen. Kaiseraugst eroberte den 1. Kranz. War also Turnfestsieger. Eine Punktzahl ist nicht vermerkt. Punkte spielten demnach damals noch keine grosse Rolle. Auszeichnung mit Kranz genügte ! Im gleichen Jahr fand noch ein sogenanntes Preisturnen statt in Kaiseraugst, an welchem Anlaß auch die Fahne geweiht wurde. 10 Sektionen mit insgesamt 130 Mann besuchten das Fest. Es waren Birsfelden, Füllinsdorf, Liestal, Pratteln, Maisprach, Wyhlen, Murg, Laufenburg und Kaiseraugst. Auch wurde in diesem Jahr von Dir. F. Wohl ein fester Barren gestiftet und ein transportabler, erstellt von August Reimann. Für letzteren Preis Fr. 40.—. Das zweite Vereinsjahr ging also vielversprechend in die Geschichte ein. 1892 war nicht fest belastet. Aber das Protokoll beweist eine lebhafte, interne Tätigkeit. Eine Vorstellung mit Män-nerchor Äugst und Musikgesellschaft Kaiseraugst, — es ist zwar hier von einer Turnerrnusik die Rede.Meiner Auffassung nach dürften die Mitglieder der Musikgesellschaft und des Turnvereins die nämlichen gewesen sein — wurde im RÖsslisaal in Baselaugst durchgeführt. In diesem Jahr wurde auch ein Beitrag von Fr. 5.— an die neuangeschaffte Kantonalfahne geleistet. Vorstand : Dalcher Pratteln, Oberturner Reimann August, Präsident.
1893 lesen wir : Präsident A. Natterer, Otaerturner Ed. Marti. Beteiligung am Unteraarg. Turnfest. Es wurde mit der eigenen Musik aufgerückt. Resultat 4. Rang.
1894
finden wir im Jahresbericht des Präsidenten Ad. Natterer von einer großen Turnfahrt mit Vereinsphoto in Rheinfelden. Marsch nach Farnsburg — Gelterkinden — Liestal, wobei jedenfalls das Durstlöschen eine grosse Rolle spielte, sodaß zum Beispiel (ich zitiere Satz aus Protokoll) : «Unterhalb Liestal die Fahne mit Trägern und einer kleinen Bedeckung eine ganze Viertelstunde hinter dem Gros zurückblieb und .noch Einkehr gemacht wurde. Man glaubte ohne Fahne heimkehren zu müssen. Da auf einmal glaubte man das Geräusch eines Fürwerks zu vernehmen. Man machte Platz und hoch erhaben im Abendwind flatternd sauste unser Panner an uns vorbei, um sich unsern Augen zum 2. Male zu entziehen.» Dieses Intermezzo muß der Anfang zum Ende des 1. T. V. K. gewesen sein. Am 28. Januar 1895 finden wir das letzte Protokoll, an welchem 18 Mitglieder teilnahmen. Darin wimmelt es nur so von Diskussion, Zahlungsfrist und Betreibungsamt, sodaß anzunehmen ist, daß das Lebenslicht des Vereins rasch erlosch. Von einer offiziellen Auflösung des Vereins fehlt jede Spur. Ich erstatte weiter Bericht aus dem Verein, der es heute zum 50-jährigen Bestehen gebracht hat.
1911 Eintritt Kantonalverband. Unteraarg. Turnfest Wettingen wurde besucht. Endturnfest besucht in Frick. Schon damals bestand der Drang nach einem Turnlokal und fand beim damaligen Löwenwirt Gnade. Der Löwensaal wurde zur Verfügung gestellt und zwar dem hiesigen, sowie dem Baselaugster Turnverein. Die Rechnung für Beleuchtung. Pctrol ! und 3-maliges Saalreinigen, betrug Fr. 5.—. Die zwei Vereine teilten die Bezahlung dieser Unkosten. Von Pflege des Gesanges unter der Leitung von Schniass-mann Theo ist auch schon die Rede.
1912 waren unsere Turner stark beansprucht. Im Vordergrund steht das Eidg. Turnfest von Basel. Monatsbeitrag Fr. 1.50. Entschädigung an die Teilnehmer Fr. 6.— aus der Kasse, zu Lasten des Mitgliedes F. 1.—. Mit Leiterwagen wurde zum Fest gefahren und mit 9 Mann geturnt, je 2 Mann turnten Einzel in National und volkstümlich. Eine Vereinsphoto wurde gemacht. Erfolg : Eichenkranz. Am. kant. Schwingertag in Zofingen beteiligten sich 9 Kai-seraugster ! Eine Kt. Turnfahrt wurde ausgeführt über Juratäler und Höhen nach Küttigen und retour nach Frick und von dort mit SBB heim. Von dieser Turnfahrt sei vermerkt, daß, wie übrigens auch später an solchen Fahrten, die Fahne mitgetragen wurde. Speziell sei ein Kranz gewunden dem Tambour Lützelschwab Adolf, (Schangis Dölfi) welcher laut Aussage von Teilnehmern die ganze Tour ohne Unterbruch getrommelt hat. Auffahrtstag, Abmarsch morgens 3 Uhr. Nachtrag zum Eidgenössischen Basel. An Hasler von Basel wird ein Geschenk verabfolgt für Oberturnerhilfe. Und Richard Ernst als amtierender Oberturner wird das ganze neue Turnkleid geschenkt. In diesem Jahr findet noch ein Endturnen statt in Kaiseraugst auf dem Viehweideli beim Löwen, dem Platz, worauf heute der Konsum steht. Meine ersten Erinnerungen über Turnerei gehen auf dieses Fest zurück, weil ich zusehen konnte, wie man Lötscher Julius ab dem Platz trug mit gebrochenem Bein und auf einem Breck nach Rheinfelden ins Spital transportierte. Hohler Emil war in diesem Jahr Präsident und Oberturner.
1913 In diesem Jahr gelangte der Verein mit einem Gesuch an den Gemeinderat zwecks Überlassung eines geeigneten Turnlokals. Es war nichts zu machen. Darauf wurde der Löwensaal für l Turnstunde pro Woche zur Verfügung gestellt. Am Kt. Turnfest von Brugg wurde mit 9 Mann geturnt. Im Protokoll ist vermerkt: Von Brugg kehrten wir freudetrunken mit einem Lorbeer heim. Ferner wurde das Endturnen von Baselaugst besucht. Einer Einladung zum Endturnen in Eiken wurde spärlich Folge geleistet, weil keine Gaben verteilt wurden.
1914 Das Unteraarg. Fest in Klingnau wurde nicht besucht, angeblich weil wenig Mitglieder. Es waren 21 ! Sehr wahrscheinlich war *ss aber in Anbetracht des Eidg.von St. Gallen im nächsten Jahr. Hier setzte die Spielbewegung im E. T. V. ein. Als erstes wurde ein Fangball gekauft. Am 27. Juli wurde ein Grümpeltournier mit Baselaugst durchgeführt. Anscheinend wusste man da noch nichts vom Beginn des 1. Weltkrieges 3 Tage später. Präsident Frey Ernst, Oberturner Delfosse Hans.
1915 Trotz stetiger Abwesenheit vieler Mitglieder wegen Grenzbesetzung ruhte die Turnerei nie ganz. Die Sektion besuchte ein Endturnen in Mumpf. Ein starker Mitgliederzuwachs resultierte aus dem Vorunterricht. Ein oder zwei Turnfahrten wurden trotz den schweren Zeiten jedes Jahr ausgeführt und zwar immer mit Hörn und Fahne. Auch fand jede Woche eine Gesangstunde statt.
1916 Bezirksturnfest in Sulz wird besucht. In den Spielwettkämpfen macht unsere Sektion mit: Jägerball.
1917 Besuch des Kant. Turnfestes in Zofingen, sowie des Kant. Schwingfestes in Bremgarten von 3 Schwingern.
1918 scheint die Turntätigkeit total geruht zu haben, denn es besteht kein Protokoll von diesem Jahr.
1919 Wiederaufnahme des Turnbetriebes auf Initiative von Hohler Emil. 14 Mann haben wieder unterschrieben. Es wurde nur eine Turnfahrt ausgeführt.
1920 Turnfahrt und Abendunterhaltung.
1921 Besuch eines Turnfestes in Säckingen. Nicht obligatorisch. Es erscheint eine Morgenröte am Horizont für den T. V. K., denn es wird in diesem Jahr das fricktal. Turnfest in Laufenburg besucht und sogar die Übernahme des fricktal. Rangschwinget beschlossen.
1922 Am Eidgen. Turnfest in St. Gallen wird mit 16 Mann gearbeitet. Dasselbe wird leider infolge miserabler Wetterverhältnisse (Dauerbindfadenregen) abgebrochen und eine Woche später wieder weitergeführt. Unsere Mannen hatten aber schon geturnt bei strömendem Regen. Was nicht zu verwundern war, daß unsere Sektion mit 1/10 Pkt. aus dem Lorbeerkranzrang fiel sei hier erwähnt. Erfreulich und zugleich Baisarn auf die Wunde war der Einzelerfolg von Hohler Franz. Meines Wissens ist dies der einzige eidg. Einzelkranz, der nach Kaiseraugst kam bis dato. An diesem Turnfest wurde auch die Teilnahme am eidg. Turnfahrtenwettkampf be-schlossen. Verlangt wurden hiezu 3 Jahre lang je 12 Turnfahrten mit einer Minimalmarschleistung von 15 km., 3 davon von 25 km. Um nicht jeden Monat eine Turnfahrt ausführen zu müssen, wurden 2 Riegen gebildet.
1923 Am Kt. Turnfest in Kölliken wurde bescheiden mit 9 Mann gearbeitet.
1924 Übernahme des in allen Teilen ff. organisierte frickt. Turnfestes. Da am Morgen früh zweifelhaftes Wetter war, wurde verschoben auf folgenden Sonntag. Aber die Kaiseraugster hatten seit jeher in Sachen Wetter das Pech doppelzentnerweise in den Schuhen. Und so regnete es am Festsonntag den ganzen Tag mit unnachahmlicher Ausdauer. Aber das Fest wurde durchgeführt. Der Flaggenschmuck des Dorfes hing bald wie mit Tränen vollgesogene Tücher aus den Fenstern. Selbstverständlich litt unter diesen Um-städen die erfreuliche Arbeit. Auch das Publikum war nur spärlich vorhanden. Das Schönste an diesem Fest war das Rangver lesen. Hier ist zu melden, daß im "Einzel National Schmid Gustav an der Spitze stand. In den 3. Rang klassierte sich Dürr Hans und in den 6. Schmid Benedikt. Nicht zu vergessen ist die Abendunterhaltung, welche improvisiert in den neben dem Festplatz stehen-den Lagerschuppen «Onkel Natterers Hütte» verlegt und einen unvergeßlichen Ausklang gefunden hat, trotz Defizit.
1924 Einzelturntag Wallbach. Damals waren die Jungen und die Alten im «Chut». Im Kunstturnen beteiligten sich 3, im National-t.urnen 6 und in der Leichtathletik 5 Mann und haben im National die 1. Ränge belegt.
1925 Das eidg. Turnfest in Genf war wohl eines der schönsten in unserer Geschichte. Es schmückten 2 Lorbeerkränze unsere Fahne. Der Sekt.-Kranz mit 139.83 Pkt. und der Lorbeerkranz vom Turnfahrtenwettkampf. Um den 2. Kranz wurde seither, und wird wohl auch nie mehr gekämpft. Ich sage bewußt «gekämpft», denn es braucht wirklich Kämpfe, um mit einem Verein innert 3 Jahren 36 Turnfahrten auszuführen. Im Sekt.-Kampf standen wir mit 14 Mann. Im Einzelkampf National mit 4 Mann. Unser Bester in dieser Disziplin erreichte wohl das Kranzresultat, weil aber viele nicht starteten von den Gemeldeten wurde einfach das Kranzresultat höher geschraubt. Und so war es weder unserem Franz noch den 3 ändern vergönnt mit Laub heimzukehren. Das wäre zu schön gewesen.
1926 Besuch des frick. Turnfestes Wittnau mit 12 Mann, die unter Oberturner Hohler Franz standen und sehr gut abschnitten. In diesem Jahr wurde auch der Grundstein zum Eigenheim des E. T. V. in Aarau gelegt. Unser Beitrag dazu Fr. 25.—.
1927 wurde auch der Sangesfreudigkeit in unsern Reihen, und vor allem Dank des Dirigenten-Genies von Reinhold Stöckli, viel Raum gelassen. An manchem Fest und Dorfanlaß waren wir ein Begriff, «Das Turnerchörli» !
1928 Fahnenweihe. Das Geld zur Finanzierung der neuen Fahne trug John Sepp mit der Sammlung im ganzen Dorf sozusagen alles zusammen. Wenn man bedenkt, zu Krisenzeiten auf Bettel zu gehen für eine Fahne, wo vielerorts ein normaler Zahltag eine Festfreude bedeutete, und trotzdem 1100 Franken zusammen zu bringen! Das dokumentiert gewiß eindeutig, daß der T. V. K. in höchster Gunst und Ehre stand in unserem Dorf. Sepp durfte dann «seine» Fahne zur Weihe tragen. Patensektion war Pratteln N. S. Neben diesem Großereignis stand noch das eidg. Turnfest Luzern, an welchem wir mit 15 Mann im Wettkampf standen und mit 141.37 Pkt. im 114. Rang. Von 3 Einzelturnern im National holte einzig Franz Hohler das heißbegehrte Laub. Also nach wie vor der einzige Kaiseraugster, dessen Haupt eidg. Laub krönte.
1929 Hier kann ich das freudige Ereignis der Erstgeburt unserer Jugendriege buchen. Gründer war Reinhold Stöckli. Man hatte schon damals entdeckt, daß eine J. R. von grossem Wert sei, denn diese heutigen Lehrbuben können später unsere Meister werden. Was dies anbelangt, haben wir bis heute noch keine grossen Früchte geerntet. Aber es könnte doch einmal aus einem «Chürbsli» eir «Chürbis» werden, was wir gerne hoffen. Dann ist noch zu vermerken, daß Kaiseraugst wieder einmal das Glück hatte, einen frickt. Rangschwinget durchzuführen. In Disziplin National waren wir in jener Zeit jemand der gefürchtete Mannen in den Sägmehlring zu stellen hatte. Wahrscheinlich eine Wiedergeburt des einstigen sagenhaften « Munivereins ». Die Kreisturnfahrt obligat, für alle Sekt, brachte 2 ganze Mann auf die Socken nach dem Kaistentaerg.
1930 brachte uns das frickt. Turnfest in Zeiningen, woselbst wir mit 15 Mann und 142.50 Pkt. keine schlechte Figur machten. In diesem Jahr wurde auch die Männerriege durch Hohler Franz als Initiant ins Leben gerufen. Die Männerriege, die sich einige Jahre später selbständig machte, war immer und immer wieder der Kerntrupp des Vereins. Immer waren es unsere Männer, die uns finanziell und tatkräftig zur Seite standen. Sei es an Turnfesten, als Schlachtenbummler oder in Komitees zu Festen und Veranstaltungen. Trotz seiner Selbständigkeit ist also der Männerturnverein im Grunde genommen ein Bestandteil der Aktivsektion. 1,931 Das Kt. Turnfest in Zofingen war ein «Pontonierfest» wie das Kaiseraugster Fest von 1924. Nur dauerte es hier 2 Tage. Beifall war auf diesen Wassergefilden eine rare Sache. Fehlte doch das Publikum «in Massen». Zeitweise waren mehr Ehrendamen mit ihren schönen weissgraubraun verregneten Röcken auf der «Piste» als Zuschauer. Zu einem Lorbeer mit 141.90 Pkt. hat es aber doch noch gereicht. 1932 Das Eidgenössische r-von Aaraü steht-wohl allen heute noch lebenden Teilnehmern in Erinnerung. Wir turnten allerdings in der kleinstenKategorie 8-9 Mann und holten dabei den Lorbeer I. Kl. mit 142.20 Pkt. Die Eichenkränze für Sekt, waren hier abgeschafft worden und durch Lorbeer II. Kl. ersetzt, d. h. Lorbeer mit Schleife wie I. Kl. aber ohne Fransen.
1933 Am frickt. Turnfest in Eiken standen wir mit 26 Mann (die bisher größte Festteilnehmerzahl) (turnende) mit 141.70 Pkt. im 8. Rang. Festkartenpreis ohne Bankett, jedoch mit Eintritt zur Abendunterhaltung Fr. 4.20. Erster Leichtathl. Kranzerfolg durch Stöckli Reinhold am Kant. Leichtathletiktag.
1934 Am Gauturnfest Döttingen turnten wir in Kat. 8—12 Mann und standen im 13. Rang mit 140.90 Pkt. Der größte Stolz galt un-sern 3 Einzelkränzen mit Stöckli Reinhold Leichtathl. 10. Rang, Dürr Fritz National 7. Rang und Dürr Hans National 12. Rang. Festkarte ohne Bankett Fr. 3.—. 1934 stand die Spielbewegung bei uns in grosser Blüte. Wir suchten ständig neue Spielplätze und immer war es wieder nichts damit. So spielten wir auf Liebrüti «ufs Adlerwirt-s Matte», auf dem Holzplatz in der Cellulose, in der Grube Frey, in der alten Saline und im Strandbad.
1935 Kant. Turnfest Rheinfelden. Dort standen wir mit 15 Mann im Feuer und erkämpften den 8. Rang mit 142.65 Pkt. Für unsere Begriffe damals ein Riesenerfolg. Aber das Eidgenössische von Winterthur übertraf alle unsere Erwartungen. Uns Teilnehmern vom heutigen «Mittelalter» das schönste erlebte Fest! Unser «Adlerwirt Friedl» hat davon nicht umsonst einen stündigen Festbericht verfasst. Von den 912 teilnehmenden Sektionen standen wir im 30. und in unserer Kat. 8—12 im 3. Rang von 256, mit dem bisherigen Höchstresultat von 144.45 Pkt. Gerät, Reck und Barren. Höchstpunktzahl Lauf 49.20 Pk.t
1937 Fricktal. Turnfest in Möhlin. Mir scheint der Siegeswille habe jedes einzelne Mitglied erfasst. Speziell war aber der Oberturner Stöckli Reinhold davon beseelt. Standen wir doch mit 24 Mann vor Mägden mit 1/100 Pkt. Vorsprung, also mit 144.31 Pkt. im 1. Rang. Das Siegesgeheul, wobei noch speziell unsere J. R. den Löwenanteil hatte, klingt'mir heute noch in den Ohren. Am Spieltag holte unsere 1. Faustballmannschaft auch den Titel des Frick-talermeisters Kat. B. Befrachtet war 1937 noch mit dem Herbstschwinget in Kaiseraugst. Und der Kt. Wandertag brachte uns mit 30 krn in den Knochen ! auf prachtvollen Wanderwegen, alles dem Rheinufer entlang nach Laufenburg. Auch eine unvergeßliche Turnfahrt.
1938 «S' Zuckerbrot schloht ab». Schon wieder ein Wasserfest. Das Gauturnfest Laufenburg zwang uns das Geräteturnen fallen zu lassen und die ganze Sektion umzustellen auf Leichtathl. Wettkampf. Kat. 4. 9—12 Mann. Wir landeten dennoch im 7. Rang und «saulustig» wars beim Knoblauch im HotelSolbad. Am Kreisspieltag in Villmergen den 2. Rang Kat. B.
1939 Kant. Turnfest Lenztaurg unter Natterer Fritz mit 16 Mann getrennter Wettkampf. Leichtathl. und Gerät. Lt. Festbericht von Knecht Willy 1. Kl. Lorbeer. Leider ohne Bekanntgabe der Punktzahl. Das war der Schluß vor dem grossen Völkermorden, aus welchem unsere liebe Schweiz mit dem grossen Glück des davon verschont werdens hervorging. Seien wir Gott heute noch dankbar dafür. Ganz ruhte der Turnbetrieb während des ganzen Krieges nie, aber Feste waren dünngesät
1940 wurde selbstverständlich das Eidgenössische von Bern abgesagt. Ebenso blieb 1941 festlos.
1942 wagte man, trotz vielen im Militärdienst Abwesenden, Gauturnfeste zu veranstalten. Wir waren demjenigen von Birrfeld zugeteilt. Mit 12 Mann standen wir mit 123.38 Pkt. im 15. Rang.
1943 wurde die Teilnahme am Kant. Turnfest Baden beschlossen, später, der gefährlichen Zeit wegen spez. am Rhein, abgesagt vom Kreis Fricktal. Als Ersatz und als es wieder ruhiger wurde am Rhein, wurde die unvergeßliche Turnfahrt unter Beteiligung von 30 Personen auf die Klewenalp ausgeführt. Und einmal mehr war Kaiseraugst am Spieltag Frickt. Faustballmeister.
1944 fiel das geplante Gauturnfest in Leibstadt der II. Generalmobilmachung zum Opfer.
1945 Friede auf Erden !
Bescheiden wurde wieder angefangen mit einem fricktal. Turntag ohne Rangeinteilung."
1946 Das Kant. Turnfest "in Wettingen sah uns mit 12 Mann im Kampf. Wir erreichten ein Resultat von 142.15 Pkt. IL'47 bleibt mir persönlich bestimmt so stark in Erinnerung wie den Festteilnchmern vom Eidgencssischen in Bern. Während meine Kameraden in Bern die schöne Punktzahl von 143.80 eroberten, lag ich im Kantonsspital in Zürich. Ich erlebte vom Bett aus unter Trommel- und Musikklang den Heimmarsch der Zürchersektionen, im Geist auch den der Karseraugster. Daß so etwas weh tun kann, habe ich vorher nie gewußt. Aber auch Freude kann zu Tränen rühren, denn eine Woche nach dem Fest wurde ich von 6 Kollegen vom T. V. K. besucht, notabene per Velo. Diese überreichten mir ein grosses Geldgeschenk. Die Sammlung war gemacht worden am Fest in Bern ! Das ist unvergeßlicher Kameradschaftsgeist. folgte wieder ein kleines Bezirksturnfest in Gipf- Oberfrick. Beteiligung 12 Mann. Erfolg 142.82 Pkt. Einzelerfolg Lützelschwab Jos. Kant. Leichtathletiktag Zweig. Gauturnfest Zurzach, 12 Mann, 141.66 Pkt. Einzelerfolg Wiederkehr Kurt. Zweig. Leichtathletik.
1951 Eidg. Turnfest Lausanne. Sehr gut vorbereitet aber mit Unfällen am laufenden Band in den letzten 4 Wochen vor dem Fest, sodaß der Wettkämpfer immer weniger wurden. Wir turnten Gerät, Reck, Barren. In der 4. Stufe turnte unser Miggel allein, aber sauber ! Wir mußten uns mit 143.72 Pkt. begnügen. Die Gesangsektion von Reinhold geleitet, machte hier mehr Furore, besonders bei unserem Kaiseraugst- Lausanner Reinle Walter. Hier haben wir den schönsten Festumzug erlobt, mit seinen auf breiten Plätzen sich kreuzenden Marschkolonnen, sodaß wir zeitweise 16 Mann breit marschierten. Ein Publikumserfolg ohnegleichen !
1951 Im Herbst führten wir den Kreisspieltag durch. Siegespalmen erblühten uns leider keine auf heimatliche Gefilden.
1952 Turnhallebaukommission ins Leben gerufen. Wird es möglich sein, den seit Bestehen des Vereins gehegten Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen ? Kreisturnfest in Kaisten. 12 Mann. Gerät: Barren, Pferdesprung. Rang und Punktzahl unbekannt.
1953 Kant. Turnfest in Reinach (Aarg.) Bei wunderbarem Fest-wetter 12 Mann am Start mußten wir uns mit 141.83 Pkt. begnügen. Suter Edy schrieb den Festbericht, der uns nach seinem Tod als Andenken verblieb. Am Festtag von Reinach wurde auch unser ehem. Aktiver Tullio Sasselli von seinem langen Leiden erlöst. Ebenso im Frühling unser unvergeßlicher immer gemütlicher August Schmid, Ehrenmitglied. Das Gauturnfest in Möhlin sah uns von Pech verfolgt mit 140.38 Pkt. im 3. letzten Rang von sämtlichen Sektionen. Und 16 Jahre früher standen wir hier auf dem gleichen Festplatz im Siegesglanz ! Aber das ist gut so. Wer im Leben nicht Höhen und Tiefen erleben kann, ist unglücklich. Nur immer an der Spitze stehen erfordert ausdauernde Leute, um nicht zu sagen Egoisten. Der geringste Versager ruft die größten Zwistigkeiten hervor. Ist man aber hintenab, so setzt ein gesunder Ehrgeiz ein und man kämpft bis zum Platz an der Sonne. Dann tut ein wieder Bergab nie weh, wenn das begriffen ist.
1954 Die Turnerei muß bei Petrus zeitweilig tief im Kurs stehen, Denn in Bremgarten standen die Wolkenschleusen wieder einmal 2 volle Tage mit kurzen Unterbrüchen offen. Wir turnten am Samstag früh, während einer Regenpause Freiübungen barfuß ! Auch unsere Einzelturner Leichtathl. hatten bei diesem miserablen Wetter nichts zu bestellen. Einzig Stöckli Max wurde ausgezeichnet mit Diplom. Sekt-Resultat 142.26 Pkt. 13. Rang. - Von seinem schweren Leiden erlöst trugen wir unseren lieben erst 29-jährigen Präsidenten Burgunder Max zur letzten Ruhe.
1955 Das Eidgenössische von Zürich war etwas vom Schönsten, auch punkto Organisation. Bis am Samstag morgen wieder eines jener berühmten Turnfestregenwetter, bei dem die Feuerwehr die ganze Nacht das Wasser von den Arbeistplätzen absaugen mußte. Dann aber ein Wetter : 2 Tage lang veilchenblau und heiß ! Und ge_ kämpft wurde ! 16 Mann getrennt. Gerät, Leichtathletik, Kugel, Weitsprung. Ein totaler Versager am Reck (W. Meyer) brachte uns stark nach hinten. Aber auch die sog. anregenden Übungen (Laufschule), welche. anscheinend weil neu, besser bezahlt werden sollten. Ich glaube man hat uns hier die Abzüge gutgeschrieben anstatt umgekehrt. Wir hatten wieder einmal das Glück ändern Überlassen und rait 141.64 Pkt. .standen wir von 86 Sekt. In unserer. Kat. im 56. Rang. — Unser Ehrenmitglied Hohler Franz wurde zur grossen Armee abberufen.,Ein Unvergeßlicher ging uns voran.
1956 Dann folgte ein rasanter Aufstieg, einer Rakete gleich. Warum ? Wir hatten herausgefunden, daß wir 1. keinen Nachwuchs für das Gerät besaßen, 2. das Gerät sowieso viel Übung verlangte und erst noch schlecht bezaht wird. So turnte unsere Sektion am Kreisturnfest in Obermumpf mit 8—10 Mann rein Leichtathl. Wettkampf und stand damit «an der Sonne», Festsieger mit 144.43 Pkt. d. h. 2/100 hinter dem Rekord von Winterthur.
1957 war das Siegesjahr am laufenden Band. Einzig dastehend in der Geschichte des T. V. K. Am Gauturnfest Schinznach-Dorf standen unsere Mannen in Kat. 8—15 Leichtathl. mit 145.50 Pkt. (wohl nie mehr zu erreichendes Resultat) im 1. Rang. Lauf 49.20 Pkt. Kugel 11.87 m, Weitsprung 5.37m. Am frickt. Spieltag Fortsetzung der Siegerserie : 4 X 100 m Stal 2. Rang, 10 X 80 m Staf. Kat. B. 1. Rang, Faustball B. 1. Rang. Wir haben den Heimgang drei guter Mitglieder zu betrauern : Rieger Gottfr., Hohler Hans und Suter Edy.
1958 Am Kant. Turnfest in Aarau gelang der grosse Wurf noch einmal.Kaiseraugst war Kategoriesieger mit 145.46 Pkt. und nur 1/100 Pkt. hinter dem Festsieger Stein. Frickt. Spieltag Kat. A Faustball 1. Rang. An einem Schwarzwälderturnfest auf dem Dachsberg kehrten von 13 Wettkämpfern 10 heim mit Laub. Die Burschen bildeten sozusagen einen Eichenwald. In der badischen Nachbarschaft nahmen unsere Leute an einem sog. Vergleichskampf teil. Alles Leichtathl. Disziplinen. Rangliste : Inzlingen, Wyhlen, Kaiseraugst.
1959 Wieder Vergleichskarnpf mit gleichen Sektionen und wieder hieß es Wyhlen, Inzlingen, Kaiseraugst, 14 Wettkämpfer, 7 mit Kranz ausgezeichnet. Nachher gings wieder in den «Heuet» auf den Dachsberg. 14 Kränze waren der Erfolg hier. — Am Eidgenössischen in Basel war man gespannt auf das Resultat. Bei schönstem, sehr heissem Wetter waren die Punktzahlen allgemein hoch. Unsere Leute brachten es zum sehr schönen Resultat von 144.17 Pkt. von 84 Sekt, in der Kat. im 13. Rang. Der Empfang und Schlußfeier im Löwen schlugen hohe Wellen, daß der Gemeinderat die Zusicherung gab, die seit 50 Jahren bestehende «Traumturnhalle» in Wirklichkeit erstehen zu lassen. Zum Schluß "findet noch ein Herbstschwinget in Kaiseraugst bei idealem Wetter "statt.
1960 Am 28. Juni besteht der T. V. K. 50 Jahre. Mit einem bescheidenen Fest wird dieser Anlaß auf dem Schulplatz gefeiert. — Mit diesem Bericht sei ein Markstein in der Geschichte unseres Turnvereins gesetzt. Ich maße mir nicht an, mit diesem Bericht Anspruch auf Vollständigkeit der Angaben zu erheben. Ich habe mich nur beflissen dem Jubilaren einen Strauss mit bunten Blumen zu winden, genau so wie sie jeweüen die Hörner schmücken, wenn es an ein Fest geht. Frisch, froh, fromm, frei! Mit flatternder Fahne, und Blumen zur Seite, hinein in die nächsten 50 Jahre Und nicht vergessen wollen wir das Lied, das uns Stöckli Reinhold gedichtet und vertont hat und zitieren die 4. Strophe : «Und wirds denn cho, magsch nümme so goh, au Du bliebsch nit ewig jung. Doch was der bleibt, Dy Turnerzyyt, als schönsti Erinnerung.
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